Massenphänomen Wildunfälle

Jährlich kommt es auf deutschen Straßen zu einer erheblichen Anzahl von Wildunfällen. Im Jahr 2014 waren es mehr als 238.000 Kollisionen mit Wild. Zwar endeten sie meisten glimpflich und es blieb beim Blechschaden. Die Kosten waren jedoch erheblich: Der Schadenaufwand in der Fahrzeugversicherung lag 2014 bei über 575 Millionen Euro. Zudem wurden rund 2.842 Kraftfahrer zum Teil schwer verletzt und 18 Menschen starben bei Wildunfällen.

Deshalb gibt es schon lange eine Diskussion um die beste Möglichkeit, Wildunfälle zu verhindern. Die Unfallforschung der Versicherer hat in einem mehrjährigen Projekt über 5.000 Unfälle mit Wildbeteiligung untersucht und dabei in Vorher/Nachher-Vergleichen die einzelnen Methoden zur Vermeidung von Wildunfällen verglichen. Empfohlen wurden bisher Duftbarrieren, optische und akustische Reflektoren, Rückschnitt der Hecken und Sträucher am Straßenrand oder Wildwechselschilder. Überraschendes Ergebnis: Keine dieser Maßnahmen reduziert die Wildunfälle wirksam und nachhaltig.

Untersuchungsgebiet war der Oberbergische Kreis, wo mit Hilfe der elektronischen Unfalltypensteckkarte EUSKA neun Jahre lang alle polizeilich erfassten 5.000 Wildunfälle ausgewertet wurden. Auf sechs Straßenabschnitten wurden über je drei Jahre die unterschiedlichen Methoden zur Vermeidung von Wildunfällen in Vorher/Nachher-Vergleichen erprobt. Die Ergebnisse wurden mit 37 Kontrollstrecken verglichen. Beteiligt an den Versuchen waren u. a. auch das Straßenverkehrsamt, die Polizei, die Jägerschaft sowie das Innenministerium und das Wirtschaftsministerium des Landes Nordrhein-Westfalen.

Die Auswertung der Wildunfälle ergab folgende Besonderheiten:

Zwar passieren absolut die meisten Wildunfälle morgens zwischen 5 und 8 Uhr sowie abends zwischen 17 und 0 Uhr, dennoch ist die Zeit zwischen 1 und 4 Uhr angesichts der geringen Verkehrsstärken ziemlich gefährlich. Wildunfälle passieren die ganze Woche über. Über das Jahr verteilt gibt es im mehrjährigen Durchschnitt Spitzen bei den Wildunfällen im Mai sowie Oktober und November, die Abweichungen zwischen den Monaten ist aber relativ gering. Vorsicht ist also das ganze Jahr über geboten. Bei 80 Prozent aller Wildunfälle kollidiert das Kfz mit einem Reh, bei 10 Prozent mit einem Wildschwein.

Fazit: Der Wildunfall ist ein andauerndes und durchaus schwerwiegendes Problem der Verkehrssicherheit. Er kann unabhängig von der Erfahrung und dem Fahrkönnen jeden Kraftfahrer treffen. Für keine der bislang diskutierten und angewandten Maßnahmen (Duftbarrieren, optische (optisch/akustische) Reflektoren, Rückschnitt der Hecken und Sträucher am Straßenrand oder Wildwechselschilder) konnte in der Untersuchung eine wirksame Reduzierung der Unfallzahlen nachgewiesen werden.

Die Unfallforschung der Versicherer empfiehlt deshalb zur Vermeidung von Wildunfällen:

  • Vorsicht ist das ganze Jahr geboten, nicht nur im Frühjahr oder Herbst.

  • In der Dämmerung und vor allem nachts muss besonders mit Wildwechsel gerechnet werden.

  • Autos mit ABS und ESP sind sicherer.

  • Behörden sollten Wildwechselschilder nicht wahllos und auch nicht mit langen Kilometerangaben für die Gültigkeit aufstellen, sondern an bekannten Gefahrenstellen eine Tempobegrenzung kombiniert mit dem Schild „Wildwechsel“ anordnen.