Nur eingeschränktes Wirkpotenzial von Nachtsichtsystemen bei Fußgänger-Pkw-Kollisionen

Mehr und mehr Fahrerassistenzsysteme (FAS) halten Einzug in modernen Fahrzeugen. Diese Systeme bedienen zum Teil den Komfortaspekt, leisten aber auch einen entscheidenden Beitrag zur Erhöhung der Fahrzeugsicherheit. Allerdings ist die Quantifizierung des Beitrages dieser FAS zur Erhöhung der Fahrzeugsicherheit für die meisten Systeme noch nicht erfolgt. Eine Untersuchung des Wirkpotenzials von Nachtsichtsystemen der Unfallforschung der Versicherer (UDV) in Bezug auf Fußgänger-Pkw-Kollisionen hat gezeigt, dass heutige Systeme die hohen Erwartungen an die Erhöhung der Sicherheit noch nicht erfüllen können.

Das ist der AlttextNachtsichtsysteme sollen dem Fahrer helfen, die visuelle Wahrnehmung bei Nacht oder widriger Sicht zu erweitern. Mittels Infrarottechnologien sind Systeme bereits auf dem Markt verfügbar, die hier Lösungen anbieten. Es zeigt sich allerdings, dass die technisch umgesetzten Lösungen die Bedürfnisse des Menschen bei der Bewältigung der Fahraufgabe nur ungenügend berücksichtigen. Sie können nur ein erster Schritt auf dem Weg zu Systemen sein, die einen tatsächlichen sicherheitstechnischen Fortschritt bringen.

Die Analysen der Unfallforschung der Versicherer haben gezeigt, dass das Wirkpotenzial von Nachtsichtsystemen bei Fußgänger-Pkw-Unfällen neben dem Lichtkegel des Abblendlichts sehr stark von der Gestaltung der Mensch-Maschine-Schnittstelle abhängt. Auf der Basis von 489 analysierten Fußgänger-Pkw-Unfällen aus dem Unfalldatenmaterial der Versicherer wurden 191 Dunkelheitsunfälle bzgl. des Wirkpotenzials von auf Infrarottechnik basierenden Nachtsichtsystemen untersucht. Es zeigte sich, dass die Systeme für die spezielle Unfallkonstellation des Dunkelheitsunfalls zwischen Fußgänger und Pkw ein Wirkpotenzial bezogen auf alle Unfälle von ≤ 8 % aufweisen. Dabei sind die Systeme in der Lage, gerade die Unfälle mit hoher Unfallfolgenschwere (außerorts mit hoher Geschwindigkeit) positiv zu beeinflussen. Da aktuelle Nachtsichtsysteme reine Informationssysteme sind, ist das Wirkpotenzial nur dann realisierbar, wenn der Fahrer in der kritischen Situation ideal reagiert, d. h. die dargebotenen Informationen intuitiv aufnehmen und umsetzen kann. Ist dies nicht der Fall, kann das Potenzial auf Null sinken oder sogar - im theoretischen Fall einer Ablenkung durch das System - zu einer Verschlechterung des Sicherheitsniveaus führen. Dabei wird das Wirkpotenzial von Nachtsichtsystemen stark vom herkömmlichen Lichtsystem am Fahrzeug beeinflusst. Bereits eine Steigerung der subjektiven Wahrnehmbarkeitsentfernung von 38 auf 50 m durch verfügbare Abblendlichtsysteme, reduziert das Potenzial von Nachtsichtsystemen auf ca. 4 %.

Die Untersuchungen haben gezeigt, dass es unerlässlich ist, das Wirkpotenzial von modernen Fahrerassistenzsystemen zu ermitteln. Nur so können die Prioritäten auf dem Weg zu mehr Verkehrssicherheit richtig gesetzt werden. Die Bewertung von Nachtsichtsystemen stellt einen ersten Baustein auf diesem Weg dar und zeigt, dass heutige Nachtsichtsysteme die hohen Erwartungen an die Erhöhung der Sicherheit noch nicht erfüllen können. Hier versprechen Systeme der zweiten Generation Besserung, bei denen der Fußgänger erkannt und der Fahrer vor der Gefahr gewarnt werden soll. Die Untersuchungen lassen für solche Systeme ein deutlich höheres Wirkpotenzial erkennen.