Nach Analyse des Unfallgeschehens in Münster: Viele Fahrradunfälle müssen nicht sein - Verkehrsklima verbessern - Unfallschwerpunkte entschärfen - Mehr Kontrollen

In Städten mit viel Fahrradverkehr muss es nicht zwangsläufig zu vielen schweren Verkehrsunfällen kommen. Meist konzentriert sich das Unfallgeschehen an wenigen Brennpunkten. Werden diese mit den geeigneten Maßnahmen entschärft und gleichzeitig das "Verkehrsklima" zwischen Fußgängern, Radlern und Autofahrern verbessert, kann mit einer deutlichen Verbesserung der Verkehrssicherheit gerechnet werden. Das ist ein wesentliches Ergebnis der Analyse des Unfallgeschehens in der westfälischen Stadt Münster, das die Unfallforschung der Versicherer (UDV) für die Stadt exemplarisch erstellt hat.

Die Situation in Münster ist dramatisch. Nur neun Prozent aller Unfälle waren mit Radverkehrsbeteiligung, aber 26 Prozent der Getöteten, 43 Prozent aller Schwerverletzten und 41 Prozent aller Leichtverletzten waren in einen Radunfall verwickelt. Die detaillierte Analyse des Unfallgeschehens durch die Unfallforschung der Versicherer zeigte: Viele Unfälle konzentrieren sich auf sogenannte Unfallhäufungsstellen und Unfallhäufungslinien.

Bei Beobachtungen des Verhaltens von Fahrradfahrern und Kraftfahrern kamen eklatante Verstöße zum Vorschein:

  • 7 Prozent der Radfahrer fahren bei Rot. Für Münster bedeutet das mehr als 10.000 Rotlichtverstöße pro Tag.
  • 4 Prozent der Radfahrer fahren auf der falschen Straßenseite, zumeist auf dem Gehweg.
  • Rund ein Drittel der Kraftfahrer achten beim Abbiegen nicht oder unzureichend auf Radfahrer oder Fußgänger.
  • Viele Autofahrer sind zu schnell (34 Prozent).

Als Sofortmaßnahmen zur Verringerung von Unfällen mit Radfahrern empfiehlt die Unfallforschung der Versicherer:

  • Max. 50 km/h auf innerörtlichen Hauptverkehrsstraßen mit auffälligem Unfallgeschehen bei gleichzeitiger stationärer Überwachung.
  • Mehr Kontrollen an Ampeln gegen Rotlichtverstöße.
  • Mehr Alkoholkontrollen auch bei Radfahrern.
  • Modifizierung der Ampelsteuerungen (eigene Phasen für Abbieger, keine Nachtabschaltung).

Langfristig muss in Städten wie Münster das Verkehrsklima zwischen Fußgängern, Radfahrern und Kraftfahrern verbessert werden. Ein Schwerpunkt muss aber auch auf den sachgerechten Aus- und Umbau der Verkehrsanlagen gelegt werden. Die erkannten Unfallhäufungsstellen und -linien sollten dabei Priorität haben. In Münster wurde dazu eine sogenannte Ordnungspartnerschaft Verkehrsunfallprävention gegründet.