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Fast 800 Verkehrstote an Bäumen im Jahr 2010
Baumunfälle waren auch 2010 immer noch die häufigste Einzelursache von tödlichen Verkehrsunfällen in Deutschland (20 Prozent). Einige Bundesländer wiesen sogar noch wesentlich höhere Anteile auf. In Mecklenburg-Vorpommern starben 41 Prozent der bei Verkehrsunfällen Getöteten bei Baumunfällen, in Brandenburg waren es 39 Prozent und in Niedersachsen 32 Prozent. Insgesamt starben 2010 724 Menschen bei Baumunfällen. Damit haben seit 1995, dem Jahr der Einführung der "Baumunfallstatistik" über 23.500 Menschen ihr Leben durch Baumunfälle verloren.
Wie schrecklich Unfälle an Bäumen enden und wie wenig Seitenairbags oder die Fahrzeugstruktur zur Abmilderung des Aufpralls beitragen können, haben Versuche gezeigt, die die UDV 2008 auf dem DEKRA-Testgelände in Neumünster durchgeführt hat. Dabei zeigte sich, dass schon ein seitlicher Aufprall an einen Baum mit 55 km/h für die Fahrzeuginsassen schwerste oder gar tödliche Verletzungen zur Folge hat. Bei einem Crash mit 90 km/h, eine durchaus realistische Geschwindigkeit in Alleen, in denen die Bäume ungeschützt am Straßenrand stehen, zerteilt oder zerfetzt der Baum das Auto regelrecht: Die Insassen haben dann keine Überlebenschance mehr.
Deshalb ist es wichtig, dass die Verantwortlichen die Probleme erkennen und die richtigen Maßnahmen ergreifen, zumal die Autofahrer Alleen subjektiv als wenig gefährlich empfinden. An erster Stelle muss die sorgfältige Analyse des Unfallgeschehens stehen. Arbeiten die Unfallkommissionen, die dafür zuständig sind, sorgfältig und konsequent und werden deren vorgeschlagene Maßnahmen dann auch umgesetzt, können die Stellen im Straßennetz, an denen immer wieder schwere Baumunfälle passieren, fast vollständig entschärft werden, ohne dass dabei die Kettensäge oder die Axt zum Einsatz kommen müssen. Denn ein Entfernen von Bäumen ist in den allermeisten Fällen gar nicht notwendig.
In der Praxis als sehr wirksam erwiesen haben sich Schutzplanken und die Festlegung einer Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h in Alleen. Diese Höchstgeschwindigkeit muss – vor allem an Unfallhäufungen – allerdings konsequent überwacht werden, damit sie eingehalten wird. Allein damit lassen sich an Unfallhäufungen schwerste und tödliche Unfälle um 50 bis 80 Prozent reduzieren.
Deshalb fordert die Unfallforschung der Versicherer:
- maximal Tempo 80 in Alleen mit gezielter Überwachung an Unfallschwerpunkten,
- Schutzplanken an Unfallschwerpunkten,
- sinnvolle Kombination bekannter und wirksamer Maßnahmen und
- kein Nachpflanzen oder Neupflanzen von Bäumen ohne Schutzplanken.
Geeignete Maßnahmen | Ungeeignete Maßnahmen |
|---|---|
Systematische Analyse des Unfallgeschehens durch die Unfallkommission | Maßnahmen nach dem Gießkannenprinzip oder dem „Bauchgefühl“ |
Schutzplanken | Baumspiegel |
Überholverbote | Zusatzschilder, die vor dem Aufprall auf Bäume warnen |
Kurvenbegradigung | Willkürliche zulässige Geschwindigkeiten ohne Überwachung |
Konsequente Geschwindigkeitsüberwachung an Unfallhäufungen | Profilierte Randmarkierungen |
Herausnahme von stark belasteten Straßen aus Alleen | Nachpflanzen von Bäumen ohne Schutzplanken |
Pflanzung von Alleebäumen in größerem Abstand (bis 9 Meter) |
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