Geschwindigkeitsanzeigen: Dialog-Display wirkt am besten

Autofahrer halten sich in der Stadt eher an eine Geschwindigkeitsbegrenzung, wenn ein sogenanntes Dialog-Display sie mit einem freundlichen „Danke“ belohnt oder einem dezenten „Langsam“ ermahnt. Digitale Geschwindigkeitsanzeigen reduzieren das gefahrene Tempo deutlich weniger. Das ist die Quintessenz einer Reihe von Untersuchungen, die die Unfallforschung der Versicherer (UDV) in Berlin durchgeführt hat.

Wie wichtig die Einhaltung der vorgeschriebenen Geschwindigkeiten ist, zeigt folgendes Rechenbeispiel: Die Gefahr, dass ein Fußgänger im Falle eine Kollision mit einem Kfz bei 30 km/h getötet wird, liegt statistisch bei 18 Prozent. Sie verdoppelt sich bei einer Erhöhung um 10 km/h nahezu und vervierfacht sich bei 50 km/h.

9,4 Millionen Geschwindigkeitsmessungen

Dialog-Displays wirken besser als Geschwindingkeitsanzeigen

Bislang war die Wirkung von Dialog-Displays in der Fachwelt umstritten. Deshalb hat die Unfallforschung der Versicherer (UDV) in einer Reihe von Untersuchungen mit über 9,4 Millionen Geschwindigkeitsmesswerten die Wirkung von insgesamt zehn Dialog-Displays an vier verschiedenen Berliner Standorten auf das Geschwindigkeitsverhalten von motorisierten Verkehrsteilnehmern untersucht. Neben den reinen Geschwindigkeitsmessungen wurden an zwei Standorten Fußgänger zu ihrer Wahrnehmung des Fahrverhaltens der Kraftfahrer und ihrem Sicherheitsgefühl beim Überqueren der Straße befragt. Zusätzlich wurden die Dialog-Displays mit zwei verschiedenen konventionellen Geschwindigkeitsanzeigen verglichen.

Die Ergebnisse:

  • Bei Einsatz des Dialog-Displays wurden deutliche und anhaltende Verhaltens­änderungen bei den Kraftfahrern beobachtet. Je nach Einsatzort verringerte sich in der Untersuchungsphase die Durchschnittsgeschwindigkeit um 1,8 bis 6 km/h.
  • Der prozentuale Anteil der Fahrer, die die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit über­schritt, verringerte sich deutlich um 43 bis 64 Prozent.
  • Die befragten Fußgänger nahmen deutliche Unterschiede des Fahrverhaltens der Kraftfahrer und eine spürbare Erhöhung der eigenen Sicherheit beim Einsatz des Dialog-Dis­plays wahr.
  • Dialog-Displays wirken nur, solange sie aktiv sind. Nach Abbau der Geräte kehren die Verkehrsteilnehmer wieder zu ihrem ursprünglichen Verhalten zurück.
  • Die stärksten Rückgänge der Durchschnittsgeschwindigkeit zeigten sich beim Dialog-Display gefolgt von der (farblich) bewertenden Geschwindigkeitsanzeige und der neutralen Ge­schwindig­keitsanzeige (einfarbig).

Während der Betriebsphase der beiden konventionellen Geschwindigkeitsanzeigen wurden deutliche Gewöhnungseffekte festgestellt, während es beim Dialog-Display keine Gewöhnungseffekte gab.

Empfehlungen der UDV:

Die UDV sieht in der Nutzung von Dialog-Displays des Lob und Tadel Prinzips ein adäquates Mittel, um innerhalb von Ortschaften verträgliche Geschwindig­keiten in sensiblen Bereichen, z. B. sozialen Einrichtungen, zu unterstützen.

Da die sicherheitsrelevante Kenngröße der 85%-Geschwindigkeit die zulässige Höchst­ge­schwindig­keit nur in einem Fall erreichen konnte, ist der Einsatz von dynamischen Ge­schwindig­­keits­anzeigen (Dialog-Displays und km/h-Anzeige) für die Entschärfung von Unfall­schwerpunkten nicht geeignet.

Reduktion der Geschwindigkeit im Vergleich
Alle Videos der UDV sehen Sie hier.