Tasten, Touchdisplay oder Sprachsteuerung: Fahrzeugbedienung mit möglichst wenig Ablenkung
Moderne Fahrzeuge bieten immer mehr Funktionen, die über Tasten, Touchdisplays oder Sprachsteuerung bedient werden. Eine UDV-Studie zeigt, welche Schnittstellen sich für unterschiedliche Bedienaufgaben eignen und wie sie gestaltet sein sollten, damit sie möglichst wenig von der Fahraufgabe ablenken.
Ob Blinker, Navigation oder Telefon: Während der Fahrt müssen unterschiedliche Funktionen bedient werden. Dabei unterscheiden sich die Anforderungen erheblich. Manche Funktionen müssen unmittelbar und mit möglichst wenig Blickabwendung verfügbar sein, andere erfordern mehrere Bedienschritte, die zu längeren Blickabwendungen von der Straße führen können.
Die UDV hat daher untersucht, welche Bedienform sich für welche Aufgabe eignet und welche Gestaltungsmerkmale die Ablenkung beeinflussen.
Tasten, Touchdisplay und Sprachsteuerung im Fahrsimulator
In einer Fahrsimulatorstudie bearbeiteten die Testpersonen neben der Fahraufgabe verschiedene Bedienaufgaben über Lenkradtasten, ein Touchdisplay oder eine Sprachsteuerung. Untersucht wurden sowohl eine einfache Aufgabe mit nur einem Bedienschritt (Blinken) als auch eine komplexere Aufgabe mit mehreren Bedienschritten (Telefonieren).
Als Fahraufgabe kam der international standardisierte Lane-Change-Task nach ISO 26022 zum Einsatz. Dabei wurden unter anderem Spurabweichung, Reaktionszeit und Lenkgenauigkeit erfasst.
Zusätzlich wurde die Gestaltung der drei Schnittstellen systematisch verändert. Beispielsweise wurden bei Lenkradtasten Klickgeräusch und Betätigungswiderstand entfernt, sodass die Bedienung ohne Kontrollblick erschwert wurde. Insgesamt untersuchte die Studie 51 Gestaltungsaspekte: zwölf bei den Lenkradtasten, 23 beim Touchdisplay und 16 bei der Sprachsteuerung. An der Untersuchung nahmen 130 fahrerfahrene Personen teil.
Ergebnis: Die Aufgabe bestimmt die geeignete Bedienform
Eine Bedienform ist nicht für alle Funktionen gleichermaßen geeignet. Entscheidend sind die Komplexität der Bedienaufgabe und die Qualität der Umsetzung.
Sprachsteuerung für komplexe Aufgaben, wie Telefonieren
Die Sprachbedienung führte in der Studie insgesamt zu der geringsten Ablenkung, insbesondere bei komplexen Aufgaben. Sie beansprucht vor allem auditive und verbale Ressourcen und erfordert weder eine umfangreiche visuelle Suche noch mehrere manuelle Eingaben.
Damit dieser Vorteil zum Tragen kommt, muss die Sprachsteuerung zuverlässig funktionieren. Sie sollte natürliche Sprache verstehen, kurze Dialoge ermöglichen und häufig verwendete Funktionen mit möglichst einem direkten Befehl ausführen können. Auch ein sofortiger Abbruch eines Dialogs sollte möglich sein. Für wichtige Funktionen sollte zudem eine alternative Bedienmöglichkeit vorhanden sein.
Physische Bedienelemente für zeitkritische Funktionen, wie Blinken
Bei einfachen Bedienaufgaben führten physische Bedienelemente ebenso wie die Sprachsteuerung zu geringer Ablenkung. Für fahrrelevante und zeitkritische Funktionen sind Tasten, Hebel oder Drehsteller besonders geeignet, da die Funktion unmittelbar ausgeführt werden muss. Dazu gehören beispielsweise Blinker, Scheibenwischer, Warnblinker und Lautstärkeregelung.
Die Bedienelemente sollten sich auch ohne Hinsehen unterscheiden lassen. Erwartbare Positionierung, Unterschiedliche Formen, fühlbare Oberflächen, Raststufen und eine eindeutige Klickrückmeldung unterstützen die Blindbedienung. Bei Multifunktionslenkrädern sollte die Zahl der Bedienelemente begrenzt bleiben und ihre Unterscheidbarkeit ohne Kontrollblick gewährleistet sein.
Touchdisplay für komplexe, nicht zeitkritische Funktionen
Touchdisplays ermöglichen den flexiblen Zugriff auf zahlreiche Funktionen und komplexe Menüs. Bei komplexen Aufgaben waren sie in der Studie nach der Sprachsteuerung die zweitbeste Bedienform. Sie eignen sich insbesondere für Funktionen, deren Bedienung nicht unmittelbar oder zeitkritisch erfolgen muss.
Entscheidend ist auch hier die Gestaltung. Das Display sollte möglichst hoch und nahe am natürlichen Blickfeld liegen und aus der normalen Sitzposition erreichbar sein. Große, voneinander getrennte Bedienflächen erleichtern die Eingabe. Häufig benötigte Funktionen sollten mit wenigen Bedienschritten erreichbar sein; einfaches Antippen ist komplexeren Wisch- oder Schiebegesten vorzuziehen.
Wichtige Fahrinformationen wie Geschwindigkeit oder Warnhinweise dürfen dabei nicht durch Menüs, Pop-ups oder Medienanzeigen verdeckt werden.
Worauf beim Autokauf achten?
Das Bedienkonzept sollte bereits bei der Auswahl und Probefahrt eines Fahrzeugs berücksichtigt werden. Dabei lässt sich beispielsweise prüfen:
- Sind Blinker, Scheibenwischer und Warnblinker und andere zeitkritische Funktionen unmittelbar erreichbar?
- Lassen sich häufig benötigte Tasten und Regler auch ohne Hinsehen unterscheiden?
- Sind wichtige Funktionen auf dem Touchdisplay mit wenigen Bedienschritten erreichbar?
- Ist das Display aus der normalen Sitzposition gut sichtbar und erreichbar?
- Funktioniert die Sprachsteuerung auch bei Hintergrundgeräuschen zuverlässig?
- Gibt es für wichtige Funktionen eine alternative Bedienmöglichkeit?
- Und – bei ab 2026 von Euro NCAP getesteten Fahrzeugen – wie das Fahrzeug im Bereich „Safe Driving“ und insbesondere bei den „General Vehicle Controls“ bewertet wurde.
Die Medieninformation zum Thema finden Sie hier: Touchscreen, Sprachsteuerung oder Knopf: Was beim Autofahren ablenkt