Unfallgeschehen von Elektro- und Verbrenner-Pkw im Vergleich
Das Forschungsprojekt kombiniert drei Bausteine: eine Literatur- und Technikübersicht, eine vertiefte Analyse realer Unfalldaten aus der Unfalldatenbank der Versicherer (UDB) sowie eine ergänzende Online-Nutzerbefragung.
- Publikationen
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- Medieninformation
Für die Gesamtbewertung ist wichtig, dass die größten Unterschiede nicht in der „Gesamtansicht“ aller Unfälle sichtbar werden, sondern erst in ausgewählten Detailkonstellationen. Die fünf wichtigsten Befunde sind:
- Auf aggregierter Ebene wirken Elektro- und Verbrenner-Pkw zunächst ähnlich -innerhalb des untersuchten Datenkollektivs. Die zentralen Unterschiede zeigen sich erst in bestimmten Unfallkonstellationen und Nutzungsszenarien.
- Elektro- Pkw schützen ihre eigenen Insassen tendenziell besser – besonders in kleineren Fahrzeugsegmenten. Dieser Vorteil ist jedoch eng mit höherer Masse und der im Mittel jüngeren Fahrzeugflotte verknüpft.
- Für Fußgängerinnen und Fußgänger zeigen sich robuste und statistisch signifikante Risiken in wahrnehmungskritischen Niedriggeschwindigkeitssituationen, etwa beim Rückwärtsfahren oder Abbiegen bei schlechter Sicht.
- Pedalfehlbedienungen fallen im UDB-Datensatz bei Elektro-Pkw deutlich häufiger auf. Der Befund ist trotz kleiner absoluter Fallzahlen statistisch signifikant.
- Fahrerinnen und Fahrer von Elektro-Pkw fahren tendenziell vorausschauender. Eine generell höhere Unfallquote der Elektro-Pkw ergibt sich aus dem Projekt nicht.
Schlussfolgerungen
Erstens sollte die Wahrnehmbarkeit von Elektro-Pkws in jenen Situationen verbessert werden, in denen heutige Systeme offensichtlich nicht ausreichen: beim sehr langsamen Heranfahren, beim Rückwärtsfahren, beim Abbiegen aus schlecht einsehbaren Bereichen und in Konstellationen, in denen ein stehendes oder nahezu stehendes Fahrzeug für Fußgänger/-innen nicht als unmittelbar konfliktträchtig erkennbar ist.
Zweitens rückt die Bedienlogik moderner Elektro-Pkw stärker in den Vordergrund. Erforderlich sind menschzentrierte Mensch-Maschine-Schnittstellen, präventive Assistenzfunktionen, geeignete Testprotokolle und – möglicherweise – klarere Vorgaben zur Auslegung rekuperationsbasierter Fahrmodi (One-Pedal-Drive).
Drittens sollten Insassenschutz und Partnerschutz nicht getrennt betrachtet werden. Das bedeutet das: Crashbewertung, Fahrzeugauslegung und Infrastrukturprüfung (z. B. an Schutzplanken) müssen stärker kompatibilitätsorientiert erfolgen.
Viertens empfiehlt sich eine kontinuierliche Beobachtung des Unfallgeschehens, weil sich die Rahmenbedingungen rasch verändern.